von Michael Jäger:

Die Überschrift sagt es schon aus, im Video unten wird es nochmals erklärt.

Das Projekt “Krimi 2.0″ ist beendet.

Wir haben, wie gestern schon über Twitter und Facebook mitgeteilt, bis gestern 35 Bewerbungen von Schauspielern bekommen. 33 davon mussten wir wegen Nichteinhaltung der Vorgaben wieder ablehnen. Heute, da ich diesen Blogpost schreibe, sind weitere 4 eingetroffen, auch davon mussten 2 direkt wieder aussortiert werden. Eine wegen erheblicher Überschreitung der Zeit und das andere, weil wieder Material aus vergangenen Auftritten dabei war. Danach haben wir nicht gefragt. Wir wollten eine authentische aktuelle Vorstellung, und das hatten wir auch so kommuniziert. Klar und deutlich waren die Vorgaben. 2 Bilder und ein 3-Minuten-Video.

Es werden alte Showreels geschickt, die zeigen sollten, was der- oder diejenige schon gemacht hat. Es wird über die Email-Adresse angefragt, wo die DVD oder das Demoband hingeschickt werden kann. Links zu Showreels werden geschickt, die mehrere Minuten zum Laden brauchen. Danach haben wir nicht gefragt, und ich bezweifle, dass diejenigen sich ernsthaft vorstellen, dass ein Produzent oder Caster mehrere Minuten auf einen Stream wartet, wenn er eine andere Vorgabe gegeben hat. Standard-Bewerbungen nach dem Motto: “Ich nehme irgendeine Rolle, wenn Ihr was habt” trudeln genauso ein, wie Mails von Agenturen, die pauschal Ihren Katalog schicken wollen. Lesen denn die Leute nicht, was auf der Webseite steht?

Wir wollten eine authentische aktuelle Vorstellung, das hatten wir auch so kommuniziert. Klar und deutlich waren die Vorgaben.

Eine Quote, wie sie bis gestern abends erreicht wurde (33 aus 35 Bewerbungen mussten aussortiert werden, das sind über 90%) hat mich entscheiden lassen, das Projekt zu beerdigen. Für die aktuell vier Bewerbungen, die die Kriterien einer Bewerbung erfüllt haben, tut es mir sehr leid. Nehmt es sportlich als Trainseinheit. Nichts anderes bleibt mir übrig.

Mit dem Stolperstein “Schauspieler-Bewerbung” habe ich definitiv nicht gerechnet.

Das Online-Casting und Voting ist aber ein wesentlicher Bestandteil des ganzen Projekts. Durch die öffentliche Vorstellung und die Diskussion darüber in den Kommentaren sowie das anschliessende Voting findet eine Verbreitung des Projekts statt. Twitter, Facebook, Blogs, “alte Medien” werden dadurch aufmerksam und machen das Projekt zu dem, was es sein soll. Ein Projekt von vielen für viele. Eine kreative Werbe-Plattform für Unternehmen und gerade die Schauspieler/innen. Ein Netz-Projekt, dass sich im Netz eine Nische sucht oder eine Nische füllt. Eine kommunikative Alternative zur 12-Personen-auf-einer-Hauptrollen-Liste-Besetzungen von Film-Produktionen.

Das Projekt kann nur mit professionellen Schauspieler/innen durchgezogen werden. Es wäre definitiv keine Alternative, mit Laien-Darstellern dieses Projekt weiterzuführen. Einzelen kleine Rollen sind möglich, mit dem Leichen-Voting haben wir eine dieser Möglichkeiten geschaffen. Aber die Kompaktheit der Drehtage, das Wissen um Drehsituationen kann ich von keinem Branchenfremden erwarten und wir hätten nicht die Zeit, so viele an der Hand zu nehmen bzw. anzulernen. Ausserdem haben wir als Projekt mit den Sponsoren nur deshalb einen Deal bekommen, weil wir ihnen professionelle Schauspieler versprochen haben.

Man muss die Reissleine vor dem Aufschlag ziehen. Ich habe sie heute gezogen. Bevor zu viele Menschen zuviel Kraft in das Projekt stecken. Der Aufschlag wäre eine Poduktion mit Laien-Darstellern, die ziemlich sicher in die Hose gehen würde, da hilft das ganze Equipment und Profiteam dahinter nichts. Vielleicht war ich einfach zu früh dran an dem Thema. Als Niederlage sehe ich es nicht an, es war definitiv einen Versuch wert und die Zahl der Mitstreiter hat mich darin bestätigt. Die Netzwerke funktionieren und sind reif dafür.

Ich danke Euch, den Besuchern und Fans von “Krimi 2.0″ für die Verbreitung der Idee. Ich danke all den Unterstützern und Sponsoren, die sich alle so spontan bereit erklärt haben, das Projekt zu unterstützen. Ich danke den Kollegen, die sofort zugesagt haben, als ich sie um Gastauftritte gebeten habe. Danke all denen, die wissentlich ihr Freizeit für ein Projekt geopfert haben, um eine, wie ich immer noch finde, grandiose Idee ohne Bezahlung umzusetzen.

Vielleicht war ich wirklich nur zu früh dran, zu spät wollte ich aber auf keinen Fall dran sein. Online-Casting wird für meine Branche zum Normal-Fall werden, soviel ist nach der Podiumsveranstaltung während des Filmfests München klar. In der Zeit bis dahin werde ich mich bemühen, einigen meiner Kollegen die Angst vor der Technik und dem Medium Internet zu nehmen. Da hab ich einiges zu tun. ;-)

Ich habe in den letzten Tagen seit dem 23.Juni unzählige Emails von Kollegen/innen erhalten und versucht, soviel Support wie möglich zu leisten, geholfen hat es wenig, von einzelnen Erfolgen einmal abgesehen. Das technische Verständnis und die Bereitschaft, selbst ein Online-Casting-Video zu produzieren ist offensichtlich noch nicht so vorhanden, wie ich geglaubt habe.

Auf meiner privaten Homepage werde ich in den nächsten Tagen ebenfalls einen Beitrag dazu veröffentlichen.

Es tut mir in der Seele weh, ein Projekt wie “Krimi 2.0″, auf das ich solange mit Herzblut hingearbeitet habe, zu beerdigen. Ich bin sicher, in ein paar Jahren werden Online-Castings zum Normalfall, zumindest für den Erst-Kontakt mit Produktionen. Das in den Köpfen zu verankern, wird mir eine Aufgabe für die nächste Zeit sein.

16 Kommentare

  • schlingel sagt:

    Sehr schade. Hat mich gefreut dabei sein und mitwirken zu können und bin jederzeit wieder dabei.

  • Stefan Seeger sagt:

    Lieber Michael,

    habe mir auf der Seite Dein Video angesehen und den Beitrag durchgelesen.
    Ich wundere mich, lieber Michael, wie Du so schnell aufgeben kannst.
    Du hast da Profis am Werk und Du hast leidenschaftliche Unterstützer.
    Da kann das Projekt doch nicht daran scheitern, dass die Schauspieler sich nicht an die Bewerbungsvorgaben halten.

    Die Schauspieler, sind Castings dieser Art nicht gewöhnt und haben nun den ihnen bekannten und BEWÄHRTEN Weg genommen.
    Ändere die Vorgaben und such einfach den Dialog mit den Bewerbern. Alte Show Reels (was auch immer das sein mag) kannst Du rausfiltern, aber wenn ich richtig gezählt habe, hast Du evtl. eine Hand voll professionelle Schauspieler. Diese setz in die Schlüsselrollen und dann gibst Du denen einen oder 2 Laien an die Hand, in den Drehpausen wird geübt, gelernt, trainiert und wenns ans drehen geht, sollte selbst der untalentierteste Seeger noch n Finne spielen können ;-)

    Such vorher den Dialog mit den Sponsoren und klopf ab, wie die auf diesen Kompromiss reagieren und dann entscheide, ob Du und ich sag’s ganz hart: das Team (vom Regisseur bis zum Unterstützer) vor den Kopf stößt, denn so war die Energie, die das Team in dieses Projekt investiert hat, völlig vergebens. So lange das finanzielle Risiko minimal bleibt, lass Dir nicht vorwerfen, zu früh die Flinte in’s Korn geworfen zu haben.
    Bitte nicht beim ersten Stolperstein. Wenn es am Ende daran scheitert, dass der Film “floppt” können wir wenigstens sagen, dass wir es drauf angelegt und durchgezogen haben.

    Liebe Grüße,
    Stefan

    • admin sagt:

      Lieber Stefan,

      das ist kein Flinte ins Korn werfen. Es ist die realistische EInschätzung, dass es noch zu früh für ein Projekt wie “Krimi 2.0″ ist.
      Alle chronologischen Punkte folgen einer vorgeplanten Dramaturgie. Wie im Beitrag geschrieben, haben wir keine Zeit, die Leute anzulernen. 28 Drehtage auf 15 Wochenenden zu verteilen, war schon ein Wagnis, 15 mal Equipment, An-und Abreisen zu organisieren und dann noch die einzelnen Darsteller an der Hand nehmen und in den Pausen trainieren? In welchen Pausen? Wir haben schon eine Second-Unit vorbereitet, die nur Inserts produziert hätte, weil wir die Zeit beim Dreh der Geschichte nicht haben würden. Bisher ist noch kein bzw. kaum Geld verbrannt worden.
      Was, wenn wir bei einem Laiendarsteller feststellen müssen, dass er durch einen Arbeitsplatzwechsel auf einmal nicht mehr zur Verfügung steht? Mitten in der Produktion abbrechen, neu besetzen, neu drehen? Das würden wir niemals schaffen. Definitiv.

      Liebe Grüsse

      Michael

  • Yannick sagt:

    Das tut mir Leid für dich und alle Unterstützer! Echt schade…

  • Frank Becker sagt:

    Das kann ich absolut nachvollziehen.

    Der Zeitplan war straff und die Vorgaben – als Fan des Projekts habe ich hier sehr viel Zeit verbracht und die Artikel gelesen – waren überaus eindeutig. Von daher verstehe ich nicht, dass es gerade die Profis nicht schaffen diese einzuhalten. Die Regionalliga hat es euch bei der Leichensuche vorgemacht, liebe Profis!

    Ich finde es traurig, aber ehe man komplett in den Nesseln sitzt ist die nun getroffene Entscheidung, das Projekt zu beenden ehe es mitten in der praktischen Arbeit in die Hose geht, nachzuvollziehen.

    Danke, dass ihr es versucht habt. Schließlich war euer Engagement im Vorfeld nicht gering.

    Gruß
    Frank

  • Stefan Seeger sagt:

    Letzten Endes bist Du der Film Profi und wirst es vermutlich eher einschätzen können als ich.

    Dir muss klar sein, dass ich in Bezug auf michaeljaeger.tv und künftigen Projekten weiter hinter Dir stehen und Dich unterstützen werde ? :-)

    Stefan

    • admin sagt:

      Lieber Stefan, ich danke Dir und sei sicher, wir werden weitere Projekte in Angriff nehmen. Das Netz ist bereit für solche Projekte.

  • Markus sagt:

    Schade, sehr schade. Es hat riesig Spaß gemacht, das Projekt zu unterstützen. Neue Wege zu gehen, erfordert Mut. Diesen Mut zum Aufbruch in neue Möglichkeiten hast Du und haben alle, die die ersten und schwersten Schritte getan haben, bewiesen.
    Traurig stimmt, dass ausgerechnet diejenigen, die es gewohnt sein müssten, sich auf Neues einzustimmen, diesen Weg nicht bestreiten (ob wollen oder können, kann ich nicht beurteilen).
    Sicher ist, dass auch ich – wie auch schlingel schon schrieb – wieder dabei sein werde, wenn Du eine neue Enterprise startest. An dem Platz, an dem ich (frei nach Kennedy) dem Abenteuer von Nutzen sein kann und nicht auf den Nutzen des Abenteuers für mich schiele.
    Für mich stellt sich nicht die Frage, ob Du ein neues Projekt startet, sondern wann. Und ich hoffe – sicher mit vielen anderen – dass Du das auch so siehst.

    • admin sagt:

      Ich werde mit Sicherheit neue Projekte oder auch eine abgewandelte Form von “Krimi 2.0″ starten und dann auch durchziehen. Vielleicht fangen wir mit kleinen Spots mit Sponsoren an. Die haben das Projekt von Anfang an verstanden und unetrstützt.

  • Simone Arnold sagt:

    Genau. Man kann vielleicht auch mit “Kleinen” was “Grosses” erreichen.
    Und ich werde eine neues oder abgewandeltes Projekt genau so unterstützen, wie ich auch dieses unterstützt habe.

  • Sven sagt:

    Und das jetzt, wo wir uns so beeilt haben und unser Video für die Titelsongbewerbung fast fertig ist. Das ist jetzt aber mal mehr als frustrierend :-(

    • admin sagt:

      Es ist für alle frustrierend, aber was will man machen? Wenn nicht genug Spieler auf dem Fussballplatz sind, muss das Spiel abgebrochen werden.
      Ich habe bereits an alle abgelehnten Bewerber/innen geschrieben, keine/r hat sich bisher gemeldet und gesagt, er/sie ändert sein/ihr Band.

  • Harald Link sagt:

    Schade, sehr schade. Dass ausgerechnet die Schauspieler nicht in der Lage sind, sich selbst in geforderter Weise in Szene zu setzen, wundert mich. Es zeigt aber auch, dass wir, die wir uns täglich im Netz bewegen, nicht selbstverständlich davon ausgehen können, dass alle anderen mit der Materie ebenfalls vertraut sind (Stichwort “Videocassette schicken :-) ).
    Wie auch immer: Herzlichen Dank allen bislang Beteiligten für das Engagement, es war erfrischend und spannend zu sehen, wie so ein Projekt wächst und gedeiht und Unterstützer und Sponsoren findet – unkompliziert und selbstverständlich.

    Michael, nicht verzweifeln, auch wenn’s schwer fällt und Du extrem viel Herzblut in die Sache gesteckt hast.
    Denn: “Nichts ist so stark wie ein Typ mit geilen Ideen, dessen Zeit gekommen ist.”

    Die Ideen hast Du, und ich denke, wir werden demnächst von neuen Projekten hören. Ich persönlich tippe ja auf eine wöchentliche 45-min-Show. Das passende Studio werden wir Dir schon irgendwo organisieren können :-)

  • Karan sagt:

    Das ist Dir bestimmt nicht leicht gefallen. (Und ich muß es jetzt erst mal verdauen.)

    Ich finde es aber richtig und konsequent, daß Du keine halben Sachen machst. Das darfst Du auch von den anderen Beteiligten erwarten.

    Aber “die Hoffnung stirbt zuletzt” – dies sagte mir heute ein Mensch, der in absehbarer Zeit selber sterben wird. Das ist eine Art Wegweiser in den Unwägbarkeiten des Lebens. Was ich damit sagen will: noch sind es ein paar Tage bis zum Ende der Bewerbungsfrist. Vielleicht kommt noch was. Oder vielleicht gibt es Lösungen, die jetzt einfach noch nicht zu sehen sind…

    Das wünsch’ ich Dir und uns.

  • Tom sagt:

    Ui, das schockiert mich nun doch etwas. Damit hab ich natürlich gar nicht gerechnet. :(
    OK, das war der erste Versuch, das ende scheint schon beschlossen zu sein.
    Aber wäre nicht auch eine zweite Chance für die Schauspieler möglich. Ich schrieb mit Absicht nicht “professionelle”, denn das sind sie nicht, wenn sie so daneben hauen. Durch die erste Prüfung durchgerasselt dürfen sie es nochmal richtig machen. Wer nicht will, hat schon. Aber du schreibst ja selbst, dass viele keine/wenig Ahnung von der Materie haben, wie das ganze laufen soll, obwohl die Vorgaben klar waren.
    Wäre auf alle Fälle besser als das ganze Projekt sterben zu lassen.

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